Fouls im Fussball als Juristenfutter

Möglicherweise wegweisendes Urteil von Fribourger Gericht

Fussballer, Eishockeyaner und ähnliche Sportler sind in Zukunft gut beraten, den Fuss rechtzeitig zu heben, wenn sie nicht vor Gericht landen wollen. In einem jüngst gesprochenen Urteil wurde ein Fussballer verurteilt, weil er eine Grätsche zu spät stoppte und einen Gegenspieler verletzte.

Eine entsprechende Rechtsprechung existiert seit einigen Jahren. Dabei geht es aber um grobe und absichtliche Regelverstösse. Das jüngste Urteil der Freiburger Justiz betrifft ein unbeabsichtigtes Foul. Diese Rechtsprechung könnte die Praxis im Fussball ändern, schätzt der Sportanwalt Antoine Campiche. Sie bedeute, dass ein Foulspiel jedweder Art strafrechtlich verfolgt werden könne, sagte der Anwalt am Westschweizer Radio RTS. Das Spiel könnte demnach viel weniger engagiert werden auf den Schweizer Fussballplätzen.

Gemeinnützige Arbeit und Busse

Campiche bezog sich auf ein am Freitag in der Zeitung "La Liberté" veröffentlichtes Urteil. Ein 20-jähriger Fussballer wurde wegen fahrlässiger Körperverletzung verurteilt. Er muss 40 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten. Die Strafe ist zwei Jahre zur Bewährung ausgesetzt. Hinzu kommen 5000 Franken Verfahrenskosten. Die Tatbestände gehen auf das Jahr 2016 und ein Juniorenspiel zwischen dem FC Richemond und dem FC Düdingen zurück. Der Verurteilte grätschte einem Gegenspieler ins Standbein, als dieser einen Pass trat. Das wurde mit einer gelben Karte geahndet. Der Gefoulte trug einen Knöchelbruch davon und reichte zwei Monate später eine Anzeige ein. Die Staatsanwaltschaft Freiburg verurteilte den Foulspieler in einem Strafbefehl zu 60 Stunden gemeinnütziger Arbeit und einer Busse von 300 Franken. Vor Polizeigericht wollte der Foulspieler freigesprochen werden. Dieses verkleinerte zwar das Strafmass, hielt aber an der Verurteilung fest. Die Verteidigung erwägt einen Weiterzug ans Kantonsgericht.

Richter: Sorgfaltspflicht verletzt

Der junge Mann habe seine Sorgfaltspflicht verletzt, hielten die Richter fest. Er habe gehofft, den Pass noch rechtzeitig zu verhindern. Er sei über die Risiken eines Fouls informiert gewesen. Es sei sehr selten, dass ein Fussballmatch vor Gericht ende, sagte Robert Breiter, Jurist beim Schweizerischen Fussballverband, bei einem ähnlichen Fall im Herbst. Er wisse in seiner fünfzehnjährigen Tätigkeit beim Verband nur von fünf Fällen. Ein Urteil des Kreisgerichts Wil SG gegen einen 4.-Liga-Torhüter und das Freiburger Urteil könnten zu einer Welle von Klagen im Amateurfussball führen. Der Einzelrichter in Wil hatte den Torhüter im Oktober der fahrlässigen Körperverletzung schuldig gesprochen und zu einer bedingten Geldstrafe verurteilt. Der Spieler zieht das Urteil ans Kantonsgericht weiter.

Audiofiles

  1. Fouls im Fussball - ein Urteil mit Signalwirkung?. Audio: Liliane Küng / Fabian Kreienbühl

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